unsere HütteRückblick zu Neil Island: Als wir morgens um 5 zum Ticket-Office fuhren, hatten wir schon ein leicht ungutes Gefühl ob wir überhaupt noch ein Ticket nach Long Island bekommen. Denn laut Ticketverkäufer hatte auf der letzten Fähre, zwei Tage zuvor, nur die Hälfte der potentiellen Passagiere einen Platz ergattert.
Da standen wir also, während die Sonne gerade aufging, in der Warteschlange, welche zu diesem Zeitpunkt aus uns beiden und drei weiteren Einheimischen bestand. Nach und nach trafen mehr und mehr Backpacker und Insulaner ein. Ein dezenter Hauch von Panik stieg in uns auf… das Ticket-Office öffnete und es ging entgegen aller Befüchtungen doch ganz geregelt und zivilisiert zu. Und so verlief alles wie geplant und wir bekamen ein Ticket für die 8-Uhr-Fähre. Außer uns wollten doch nur vier weitere Touristen nach Long Island…alle anderen standen für Havellock Island an.

Im Reiseführer war für Long Island nur ein Resort vermerkt. Wir versuchten ein paar Tage zuvor schon da telefonisch ein Zimmer zu reservieren, doch leider ist das Telefonnetz total schlecht und wir kamen nicht durch. Da wir (etwas) Panik hatten kein Zimmer mehr zu bekommen liefen wir den Weg vom Jetty zum Resort doch etwas schneller als gewöhnlich. Wir konnten zwar kaum den tollen Charme der Insel genießen, kamen aber total verschwitzt und außer Atem und vor den anderen Backpackern an. Und das Popogefühl hatte wieder einmal recht, wir ergatterten das letzte günstige Zimmer. Es war ein kleines Zimmer, mit der Matratze auf dem Boden, in einem komplett aus Bambus bestehender Hütte. Das Resort war winzig, 8 Zimmer, aber total freundliche Menschen die hier lebten und arbeiteten. Es gab eine richtig urige Küche mit Lehmofen und freiem Zugang zu gefiltertem Trinkwasser, damit man keine Plastikflaschen nutzen musste, und es war sooo ruhig, uns war von Anfang an klar, dass es uns hier sehr gefallen wird. Dann kam der erste morgen und der Hahn krähte wie verrückt, man meinte er sei direkt in unserem Zimmer, nun gut, das muss man wohl auf dem Land hinnehmen. Also bis auf morgens ist es soooo ruhig…. 😉
das DorfAm zweiten Tag machten wir uns auf zum Forstamt, denn wir wollten die ein einhalbstündige Wanderung zum Lalajay Bay machen wofür man aber eine Genehmigung brauchte, unsere Permit hatte die Nummer 92, welches darauf schließen lies, dass Long Island nun wirklich nicht der touristische Part der Andamanen sein kann. Es war auch nur wieder einer dieser Bürokratiegänge: Pass-, Visum- und Andamanen-Permit-Kopie vorzeigen und schon hatten wir die Genehmigung und konnten uns auf den Weg der roten Pfeile begeben. Da das Blue Planet das einzige Resort der Insel ist, gibt es von dort aus zu jedem wichtigen Punkt der Insel verschiedene farbige Pfeile die den Weg weisen, somit kann man sich frei, sicher und ohne groß nachzudenken auf der Insel bewegen. Um es noch zu verdeutlichen wie authentisch es hier ist, auf der gesamten Insel gibt es ein Tuktuk, ein Restaurant das an einem Tag Thali und am anderen Dosa im Wechsel serviert und dann gibt es noch den kleinen Marktplatz, mit vielleicht 6 Obst und Gemüsebuden und dann noch drei die den typischen Indischen Krimskrams verkaufen, selbstverständlich ist auch, dass das alles zur Mittagszeit geschlossen ist, wir waren begeistert! So stellt man sich Neil oder Havelock Island vor 20 Jahren vor.
Zurück zur Wanderung, wir machten uns auf den roten Pfeilen zu folgen und kamen nach kurzer Zeit im Dschungel an, das letzte Haus hatte kleine Hundewelpen die sich so freuten uns zusehen, dass sie uns eine Ewigkeit in den Dschungel folgten. Es war toll, es gab so viel zu sehen, kleine Käfer, Schmetterlinge und Geckos, tolle Pflanzen und Bäume die sich ineinander verschlungen haben und dazu kamen noch die faszinierenden Geräusche der Vögel. Wir waren schon allein vom Weg hin und weg und dann kamen wir nach einer Stunde am Lalajay Beach an und schon wieder waren wir hell auf begeistert: Niemand war da, außer wir und der Strand, der gesäumt war von angespülten Bäumen die nur vermuten lassen was damals bei dem Tsunami an Kräfte gewirkt haben müssen. Ein klein wenig Betrübtheit schwingt dadurch mit auf der Suche nach dem richtigen Liegeplatz um ins kristallklare Meer zu hüpfen. Doch so schrecklich der Tsunami damals gewesen sein muss und teilweise noch immer schreckliche Erinnerungen bei den Menschen hinterlassen hat, ist das Bild hier am Strand einfach einzigartig. Wir waren umgegeben von den massiven, aus- und unterspülten Bäumen. Es war einfach traumhaft und die Zeit verflog,Franzi mit Hundebabys bis gegen Nachmittag die Sandfliegen kamen. Wir machten uns wieder auf dem Rückweg, wo uns die Welpen sehnsüchtig erwarteten. Abends trafen sich dann alle Resortgäste beim Essen und erzählten was der Tag so gebracht hatte, wir war eine nette Truppe.

Die Tage vergingen und wir genossen die Zeit zu zweit an den einsamen Ständen. Im Nachhinein wären wir doch lieber früher nach Long Island gekommen, naja vielleicht sehen wir uns noch einmal wieder, denn diese Insel hatte uns von Anfang an gefesselt. Wir können nurnoch hoffen, Das Long Island ein kleines Paradies bleibt und dies nicht mit noch mehr Resorts und Touristenattractionen kaputt gemacht wird.
Mit einer winzigen verrosteten Fähre ging es dann weiter nach Rangat (das auf dem „Festland“ der Inselkette liegt) und dem Bus über Mayabunder nach Diglipur. Die Fährtfahrt durch Mangrovenwälder und engen Kanälen… ein weiters absolutes Highlight. Unser USB Lautsprecher spielten in voller Lautstärke den Soundtrack von Good Morning Vietnam und wir hatten für einen kurzen Moment das Gefühl, als könnte es nicht mehr besser werden und als würden wir gerade mitten in den 70ern stecken…