KopfjägerDer Häuptling, ein alter Mann mit spitzen Hut, sitzt am Feuer als wir seine Bambushütte betreten. Er zerkleinert gerade eine Betelnuss. Neben ihm sind zwei weitere Kopfjäger in der Hütte, sie sind dabei einen Korb zu flechten. Im Raum nebenan wuseln mehrere Frauen mit gedehnten und gepiercten Ohren herum.
Auf einmal wird es ganz ruhig und alle schauen uns an. Die Frau den Häuptlings kommt schnell herbeigerannt und reicht uns die Hand und bittet uns das wir uns mit ans Feuer setzen sollen… Nach und nach kommen immer mehr alte Männer in die Hütte. Es hatte sich rumgesprochen, das Fremde das Dorf besuchen. Da sonst nicht viel in dem abgelegenen und nur beschwerlich über eine schlechte Straße erreichbaren Bergdorf passiert, sind wir das Highlight…

NAGA – bedeuet soviel wie Loch im Ohr. Wenn man genau hinschaut fällt einem auf, das bei der älteren Generation gedehnte Ohrlöcher Standart sind. Wenn man dann noch die Gesichts- und Oberkörpertattoos und die merkwürdige Kleidung dazunimmt, könnte man fast meinen man ist in Berlin. 😛

Die Männer der Naga schlugen den besiegten Gegnern aus benachbarten Dörfern den Kopf ab, also früher… denn seit über 60 Jahren ist das verboten. Trotzdem wurde noch fast 10 weitere Jahre, nach dem Verbot, die Tratition fortgeführt. Für die Stämme der Naga war das Köpfen des Gegners ein Zeichen der Stärke und der Männlichkeit. Der soziale Rang in der eigenen Gruppe stieg enorm und brachte viel Ansehen, bei Stammesmitgliedern sowie bei den Frauen – ulala. In manchen Stämmen bekamen die Männer zu ehren der erfolgreichen Kopfjagt Gesichts- und Oberkörpertattoos. Ausserdem schmückten sie sich mit einer Kette an welcher Messing Köpfe befestigt waren, die die Anzahl der mit nach Hause gebrachten Köpfe symbolisiert, die Ketten tragen sie noch heute. Die wenigen übriggebliebenen Kopfjäger sind mittlerweile alle über 80 Jahre alt und werden bald nur noch eine Geschichte aus vergangenen Tagen sein, denn die Kinder, Enkel und Ur-Enkel der Kopfjäger sehen überraschend normal aus.

Christlich-Baptistische Missionare haben im letzten Jahrhundert sehr dazu beigetragen, das man sich von der Kopfjagt verabschiedet. Da sich die Kopfjagt nicht mit christlichen Werten vereinbaren lässt. Heute sind 90% aller Naga, auch die wenigen Kopfjäger, Christen. So hatte man sich in den letzten Jahren den abgeschlagenen Trophäen, welche einst Haus und Hof schmückten, entledigt.