[singlepic id=3364 w=550 h=400 float=right]Manche haben sich sicher schon gewundert, warum ich lange nichts mehr geschrieben habe oder gar online war (und das bei meiner Online Sucht :-D)… tja, seit dem 03.09 schlug ich mich, 23 Tage lang, durch das Himalaya Gebirge, und zwar ganz oldschool zu Fuss….
Eigentlich wollten wir zu zweit (Nathalie & ich) losgehen, also ohne Porterguide (Mischung aus Guide und Träger). Ich wäre auch nur auf ca.12-14 kg Gepäck mit Wasser gekommen, aber dann hätte ich meine komplette Fotoausrüstung im Hotel zurücklassen müssen. Im Nachhinein, wär es vielleicht auch garkeine so schlechte Idee gewesen, wenigstens einen Teil davon zurück zu lassen, um so Höher man steigt, desto (gefühlt) schwerer wird das Ganze nämlich und irgendwie hatte ich fast nur das Ultraweitwinkel benutzt. Beim nächsten mal bin ich schlauer, auf jedenfall hatte ich mir dann doch mit Nathalie einen Porter geteilt und manchmal wars auch echt gut, das wir den dabei hatten…. aber dazu später mehr…..

Apropo die Gruppe bestand dann schlussendlich aus Nathalie, Franzi, Jacob und ich, aus zwei wurde vier bzw. fünf mit Porterguide.
Um das ganze nochmal etwas aufzuschlüsseln….. Nathalie und ich hatten uns bei joinmytrip.de kontaktiert. Als wir alles ausgemacht hatten, hatte mich Franzi noch angeschrieben und gefragt, ob sie sich uns anschließen kann. Wir hatten uns dann in Kathmandu getroffen. Franzi hatte noch Kontakt mit Jacob welchen sie auch von joinmytrip kannte. Und mit ihm haben wir uns dann alle nochmal getroffen… und beschloßen, das wir zusammen den Annapurna Circle machen, da wir doch eine kuhle Truppe sind.

Nathalie und ich waren schon einen Tag früher in Pokhara, als Jacob und Franzi angekommen. Für die 200km von Kathmandu nach Pokhara brauchten wir fast 9 Stunden (abzüglich Pause sind wir somit 23 km/h gefahren – verrückt!). Die einzigste Verbindungsstraße war in einem furchtbaren Zustand auf der auch zig liegengebliebene LKWs standen.
Wir nutzen die Zeit, die wir früher da waren, um zu packen und noch eine Sachen für den Trek zu kaufen. Wie zum Beispiel lange Unterhosen (eigentlich fast unnötig), Gamaschen (unnötig), Funktionsshirts (sehr nice, wenn man es nicht verliert)und Müsli Riegel (zusammen 4kg!)

 

Tag 1: Pokhara nach Besisahar (780m) mit dem Bus

[singlepic id=3486 w=4500 h=400 float=left]Am 03.09.2013 sind wir dann recht früh mit dem Taxi von unserem Hotel zum Busbahnhof gefahren. Da es Morgens schon etwas regnete waren wir wenig davon begeistert, das der Busfahrer unsere Rucksäcke aufs Dach binden wollte und konnten ihn dann doch überzeugen, die Rucksäcke mit in den Bus zunehmen. Wir fuhren eine ganze Weile wieder auf der Straße nach Kathmandu zurück (es gibt ja nur eine Straße) bis es irgendwann links abging. Nun wurde aus dem etwas besseren, geteertem Feldweg (die Schnellstraße nach Kathmandu) ein richtiger Feldweg… und wir, alle samt hinten sitzend, wurden ordentlich durchgeschüttelt. Und zwar so sehr das ich aller 15 min aufs Klo gehen musste/konnte/sollte. Das erstemal ließ ich dann den Bus unterwegs anhalten und fast die Hälfte aller männlichen Mitfahrer gingen auch austreten. Nach 15 min musste ich allerdings schon wieder… aber ich hielt tapfer bis Besisahar durch, auch wenn es hart am Limit war. Manche denken sich sicher jetzt der hat viel zu viel getrunken, allerdings nach einen Vorfall in Malaysia trinke ich auf Busfahrten garnichts mehr (und auch nichts davor) und nutze jede Gelegenheit eine Toilette aufzusuchen….
In Besisahar warteten wir auf unseren Porter der allerdings erst gegen Nachmittag aus Kathmandu ankam. Darum blieben wir dann auch in der ersten nacht in Besisahar. Allerdings war das „Hotel“ nicht die beste Wahl (Schimmel, Dreck, Bettwäsche nicht sauber) und die Mädels bekamen ganz schlimme Ekelanfälle…. Mir machte es nix aus, ich war schon schlimmeres von Indien gewöhnt 😀 Traurig: ich hab gleich an den ersten Tag meine neue Taschenlampe im Hotel liegen lassen 🙁

 

Tag 2: Besisahar (780m) nach Bahundanda (1310m)

[singlepic id=3361 w=400 h=350 float=right]Schon (für mich) früh am Morgen ging es los. (Nicht früh genug, sonst hätte ich gemerkt, das ich meine Taschenlampe im Hotel liegen gelassen hatte, ja das musste nochmal erwähnt werden) Nachdem wir eine kleine Brücke (Fotos) überquert hatten immer der Strasse dem Feldweg entlang…. Nach schon einer halben Stunde meinte Nathalie zu mir, das der Porter meinte sein Rucksack sei zu schwer… und das obwohl er „nur“ einen, vorher abgewogenen, 15 kg Rucksack (+das Gewicht seiner eigenen Sachen). Naja zuschwer ist zuschwer, wir wollten den guten Mann ja auch nicht quälen, obwohl er uns vorher versicherte das 15-20 kg ok sein. Ich nahm ca 3kg noch in meinen Rucksack und war somit dann auch bei 15-16 kg inkl Wasser. Von jetzt an war ich schon langsamer unterwegs. Schon recht schnell machte sich bemerkbar, das das Tempo dem Alter entspricht. Jacob (der Jüngste / 23) war der schnellste, danach kam Franzi mit ihren 26 Jahren… Danach ich (fast 30) und dann Nathalie (37) und Santa der Porter mit 45 Jahren. An dem Tag gingen wir ca 18 km, auf denen wir immer wieder 4 Deutsche/Österreicher kreuzten. Vor allem die letzten drei, vier Kilometer hatten es in sich. Es ging mega steil hoch nach Bahundanda. Und schwitzend und nach Luft ringend war ich fertig mit der Welt, als ich oben ankam. Die Zimmer waren sehr sehr „einfach“. Zu essen gab es „Schweizer Kartoffelrösti“… naja jedenfalls vom Name her ;-P
Skurril: Auf der Toilette ist am Abend eine riesige Spinne eingezogen, und genau die Situation hatte Franzi daran gehindert aufs Klo zu gehen… Glücklicherweise kam Santa mit seinen Badeschlappen: Klatsche mit einer Schlappe auf die Spinne und kam wieder aus der Toilette und meinte: „Spinne tot“ und ging weg. Franzi wollte das nicht so recht glauben, also musste ich nochmal nachschauen, ob die Spinne wirklich tot ist. Ich war an dem Abend ihr Held. :-)[nggallery id=241]

 

Tag 3: Bahundanda (1310m) nach Chyamche (1430m)

[singlepic id=3369 w=400 h=300 float=right]Die ersten Kilometer ging es erstmal nur abwärts, also den ganzen Berg wieder runter, den ich mich am Vortag hochgequält hatte. Wir wanderten entlang des Flusses immer relativ gerade, ab und zu gab es mal mit krassen Anstiegen. Nach einer Stunde streikte Nathalie (voll bepackt). Ihr Rucksack ist zu schwer und sie überlegte sich noch einen Porter zu nehmen. Ich nahm etwas von ihrem Gepäck (und wir beschlossen die 4kg Müsliriegel die nächsten Tage auf zu essen) und weiter gings ohne zweiten Porter… 😀 Zur Mittagspause merkte ich, das ich mein neugekauftes Funktionsshirt, welches ich zum Trocknen an den Rucksack gebunde hatte, verloren hatte. 🙁 (Das stimmte mich zutiefst traurig…..) Vorbei ging es an einigen Wasserfällen, über mehrere Hängebrücken und durch einige Dörfer inden wir von den Kindern immer herzlich mit Namaste begrüsst wurden.
Auch heute hatte, das Ende der Etappe, es wieder in sich… Es ging wieder ganz steil durch einen Wald. In dem sich zudem noch einige Blutekel bereit machten und sich an ahnungslose Trekker festzusaugen. Zum Glück sind sie mir schon vorher aufgefallen, bevor sie sich an meinem Bein festbeissen konnten und wurde schwungvoll weggeschnippst. Nach der steilen Etappe erreichten wir ein Gasthaus an einem Wasserfall, und beschlossen hier über Nacht zu bleiben. Besonderer Anreiz: die Übernachtung war umsonst, da wir dort auch gegessen und getrunken hatten.[nggallery id=242]

 

Tag 4: Chyamche (1430m) nach Dharapani (1860m)

[singlepic id=3394 w=400 h=300 float=left]Dadurch, das Gasthaus gleich neben einem Wasserfall war, hatte es sich die ganze Nacht so angehört, als würde es regnen…. und normal kann ich da gut schlafen, aber hier wars etwas too much zuviel.
Nachdem wir aufgebrochen sind und wiedermal die Deutschen / Österreicher (zum x-ten mal) gekreuzt und wenig später eine Hängbrücke überquert hatten, bemerkte Jacob das auf einmal überall Cannabis Pflanzen standen, wenn man näher ran ging offenbarte sich der typische Geruch. Es standen nicht nur vereinzelt welche rum, nein, alles war voll mit den Pflanzen, fast schon wie eine Plantage. Unser Porter, Santa, lachte nur als er uns in den Pflanzen Fotos machen sah.
Als wir am Nachmittag in Dharapani ankamen, kam uns ein Jeep entgegen, auf und in dem eine ganze Menge Nepalesen sahsen. Der Jeep war gut schnell in der Ortschaft unterwegs, so schnell, das die Leute auf dem Dach gerade noch einer tiefhängenden Stromleitung mit einem ruckartigen ducken ausweichen konnten, alle… bis auf einen. Jener machte einen fast zirkusreifen doppelten Überschlag und viel vom Jeep um dann, nach ein paar Minuten, humpelnd wieder zum Jeep zu laufen. Verrückt! [nggallery id=243]

 

Tag 5:  Dharapani (1860m) nach Chame (2670m)

[singlepic id=3398 w=550 h=400 float=right]Heute sollten wir eigentlich unseren ersten 8000er sehen und zwar den Manaslu (8163m, der achthöchste der Berg der Erde) doch leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es war sehr sehr bewölkt und recht kühl. Wir waren bis jetzt schon etwas enttäuscht vom Wetter, es regnete zwar nicht, aber die Sicht auf die Berge war quasi nicht vorhanden. Ok, das war uns vorher schon klar, und eigentlich müssten wir ja froh sein, den es regnete nur einmal Abends und tagsüber hatten wir bis jetzt nur zwei mal ganz leichten Nieselregen. Aber wie es so ist, will man immer mehr… und so eine Sicht auf die höchsten Berge der Welt wären ja schon nice….. 😉
In den letzten Tagen hatten wir immer mehr Trekker gesehen als am Anfang. Sie hatten sich über die holprige Buckelpiste durch die Berge fahren lassen und kürzten so die Runde um ein paar Tage ab. Wir gingen etwas entlang der Straße die dann irgendwann endete weil sie verschüttet war. Kurz dahinter kam ein Wasserfall der in einen recht reißenden Fluss überging, durch den wir durch mussten. Santa, unser Porter, zog seine Schuhe aus und sagte zu mir ich soll auf seinen Rücken aufspringen, er würde mich rüber tragen. Doch ich erwiderte ihm, so ein Abenteuer lasse ich mir doch nicht nehmen und das ich selber rüberlaufe und zwar mit meinen Gepäck. Das Wasser war arschkalt, so kalt, das es schon nach wenigen Schritten höllisch an de Füssen wehtat. Hätte ich nicht meine zwei Trekkingstöcke (hört sich spannender an als Gehstöcke) wär ich mit Sicherheit nicht trocken über den Fluss gekommen….
Der weitere Streckenverlauf ging ziemlich steil durch einen Wald… und änderte sich, als der Weg mehr eben wurde, zu einem sumpfigen Pfad in dem ich 2 mal bis über den Knöchel im Schlamm versank. Iiiiiiihhh. Später kam wir an einen Dorf vorbei welches Umgeben von Feldern und Apfelbäumen war…. Erst ziemlich spät (wir stiegen über 800 Höhenmeter an dem Tag auf) erreichten wir Chame. Es dämmerte schon und wir mussten für die warme Dusche 50 Rupees (37Cent) bezahlen.
Santas Schwester wohnte in Chame und er besuchte sie am Abend. Als wir mit dem Essen fertig waren kam er gut betüdelt wieder zu unser Gasthaus. 😀 Die Wiedersehensfreude war anscheinend sehr gross. [nggallery id=244]

 

Tag 6: Chame (2670m) nach Lower Pisang (3200m)

[singlepic id=3406 w=450 h=350 float=left]Morgenstund hat Gold im Mund. Das dachte sich jedenfalls Jacob und stand ziemlich früh auf. Belohnt wurde er mit einem Blick auf den Annapurna II (7937m). Und weil er das so toll fand, machte er uns alle munter, damit wir alle den ersten Berggipfel auf unserer Tour sehen….
(Achtung böser Humor!) Beim Frühstück erzählte Jacob, das in Nepal 5% aller Kinder nicht mal 5 Jahre alt werden und das sicher illegale Kinderkämpfe der Grund dafür sind. Verrückt! 😀
Der Weg schlängelte sich zwischen einem steilem Felsen und den Fluss so entlang. Da wo kein Platz mehr war zum Laufen, wurde der entlang des Felsens gesprengt. Es waren zwar 2-3 krasse Steigungen wieder zu bewältigen, aber alles in allem war der Weg sehr angenehm zu laufen… jedenfals für mich…. Franzi hatte ab der Hälfte ungefähr Höhenkrankheits-Symptome (Kopfweh, Schwindelgefühl), was sehr merkwürdig war, da wir noch garnicht so hoch waren (ungefähr auf 3000m), allerdings sagt Wikipedia das die Symptome schon ab 2500m auftreten. Ich bot Franzi an mit Jacob ihren Rucksack zu tragen, aber das wollte sie auch nicht. Ziemlich stur die Kleine, also wenn jemand meinen Rucksack tragen würde, egal zu welcher Situation ich hätte ja immer ja gesagt 😀 *höhö* Die „Höhenkrankheit“ war allerdings am Abend wieder weg… vielleicht war es doch etwas anderes, sehr sehr merkwürdig…*verwirrt*
Unterwegs trafen wir in einem Dorf auf ein Kind kaum älter wie 4 oder 5 Jahre, welches seine kleine Schwester auf den Rücken gebunden bekommen hatte (Portertraining?) und statt auf einer Zuckerstange auf einen rostigen Nagel rumkaute.
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Tag 7: Lower Pisang (3200m) nach Manang (3540m)

[singlepic id=3422 w=320 h=240 float=left]Etwas oberhalb von Lower Pisang gab es den Ort Upper Pisang, den wir vor Sonnenaufgang aufsuchten. Von hier aus hatten wir eine super Sicht auf den Annapurna II (7937m) und auf den Annapurna IV (7525m). Während wir da so sahsen, hunderte von Fotos machten, überlegten wir uns, warum die Leute überhaupt Lower Pisang gegründet haben, wenn die Aussicht von Upper Pisang doch zig mal besser ist. Wahrscheinlich wohnen unten in Lower Pisang nur die Faulen, die kein Bock haben den Berg hochzulaufen, aber gibt es sowas überhaupt? Und warum wohnen die dann überhaupt im Gebirge? Tausend Fragen keine Antworten.
Nach dem Frühstück und etwas bergauf führte uns der Weg durch ein Tal welches sich fast von Pisang bis nach Manang zog. Wir hatten also fast die ganze Zeit ebene Strecke… hört sich super easy an… allerdings ist auf über 3300m die Luft echt ganz schön dünn und trocken gewurden. Man atmet merklich mehr und alles ist wesentlich anstrengender. Die Lippe werden immer trockener und da man ja als Mann keinen Lippenpflegestift dabei hat (vll sollte ich mir das das nächste mal nochmal überlegen) ist man die ganze Zeit dabei seine Lippe zu befeuchten. Auf halber Strecke (perfekt zum Mittag machen) kreuzten wird Humde, in welcher der einzigste Flughafen hier in der Region lag. Sollte etwas passieren müssten wir hierher wieder zurück. Aber wenigstens gut zu wissen, das es überhaupt sowas wie einen Flughafen gibt.
Weiter ging es über Graslandschaften bis nach Manang, auch wieder ein sehr langer Tag und wir waren froh, als wir endlich ankamen. Langsam ziehen auch die Kosten für Essen und Trinken an (Nudeln mit Sauce 2,70€ / Tee 0,50€) , bloss die Zimmer sind immernoch gleich günstig (74 Cent). Dafür erwarten die Lodgenbesitzer auch das man in ihrem Restaurant isst….[nggallery id=246]

 

Tag 8: Ausflug zum Ganggapurna Aussichtspunkt (3800m)

[singlepic id=3442 w=320 h=240 float=right]Am siebten Tage sollst du ruhen…. hatte mal ein weißer Indianer gesagt. Mancheiner denkt sich jetzt sicher: Warte mal der schreibt irgendwas von siebten Tag und Ruhe und dann schreibt der das unter dem achten Tag, wasn da los. – Naja am ersten Tag sind wir nicht getrekkt also ist der achte Tag irgendwie schon der siebte Tag… klingt zwar komsich, ist aber so (ich bestimme das jetzt einfach mal so).
Nunja geruht haben wir jetzt nicht wirklich. Wir sind 300 Höhenmeter zum Ganggapurna Aussichtpunkt gestiegen, von da aus hatte man eine super Sicht auf den Gletscher. Die Bergspitze (Ganggapurna 7454m) selber hatte sich leider etwas hinter einer Wolke versteckt, genauso wie der Annapurna III (7555m).[nggallery id=247]

 

Tag 9: Manang (3540) zum Tilicho Base Camp (4150m)

Ganz früh morgens sind Jacob und ich bis zu einer Stupa etwas oberhalb von Manang gestiegen. Morgens hat man immer die beste Sicht auf die Berge, naja bis auf den Tag, Ganggapurna und Annapurna III waren gut in den Wolken gehüllt.
Nach dem Frühstück machen wir uns dann auf nach Shree Kharka einen winzigen Ort in Richtung Tilicho See. Dort aßen wir zu Mittag und ließen unser Gepäck in einem Zimmer um nur mit dem Nötigsten (Schlafsack, Regenjacke, warme Kleidung) weiter zugehen. Witzig: Da es keine Servietten gab wischte eine gewissen Frau N. (ich möchte keine Namen nennen haha) ihre Hände an der Gardine ab.
Auf dem Weg zum Tilicho Basecamging ging der Pfad an einer Hängebrücke ziemlich schmal und steil hoch. Und Santa sagte irgendwas von lieber einen anderen Weg gehen und „danger danger“. Da Jacob und Franzi schon vorgegangen sind, sagte ich, das ich ihne folgen werde (Abenteuer Carlo!) und so gingen Nathalie und Santa einen anderen Weg, der anscheinend irgendwo weiter untenrum gehen sollte. Aber wie genau, das hatte ich nicht verstanden. (manchmal war Santas Englisch etwas, nennen wir es jetzt mal „merkwürdig“ :D)
[singlepic id=3457 w=320 h=240 float=left]Ich folgte also Jacob und Franzi den „danger danger“- Weg welcher am Anfang noch recht einfach war… es ging zwar links ziemlich steil runter, aber der Weg war breit genug. Unterwegs gabelte sich dann noch der Pfad und auf dem Schild nach oben, den Berg hinauf, standen Sachen wie „danger, no way,…“ also entschieden wir uns lieber für den unteren Weg. Nunja… der einfach Weg hörte dann mit dem Schild „Landslide Area“ (erdrutschartiges Gebiet) auf. Die Spur war teilweise nur noch so breit wie der Trekkingschuh. Teilweise rutschte der Boden ab auf den man trat. Links ging es locker 100 – 150 meter runter und keine Chance wieder hochzukommen. Ein falscher Schritt und man ist weg…. Stückchenweise war der Weg auch schon weggebrochen. Hinter uns lief ein Mann in FlipFlops und trug ein ganzen Bett auf dem Kopf (Nepalesen tragen Sachen mit Schlingen am Kopf befestigt), verrückter Hund! Als wenn das nicht genug Action für den Tag war gabs auf einmal einen Steinschlag. Während ich selber einigen Steinen (wie sich später herausstellte wurde der Steinschlag von Bergziegen ausgelöst) auswich, sah ich wie ein riesiger Stein auf Franzi zurollte und ich rief zu das sie aufpassen solle. Sie konnte gerade so ausweichen, der Stein hätte sie sonst mit in die Tiefe gerissen und in dem Moment als ich abgelenkt war und zu Franzi schaute traf mich ein Stein am Rucksack und hätte mich fast selber mit in die Tiefe geschleudert. Mit größter Aufmerksamkeit versuchten wir so schnell wie möglich aus dem Gebiet, hinter den nächsten Felsen, zu kommen um vor den herabrollenden Steinen geschützt zu sein.
[singlepic id=3459 w=320 h=240 float=right]An den Felsen wartet Jacob, welcher ein Stück vor uns gelaufen ist, und sagte das was er jetzt zeigt, wird Franzi nicht gefallen. An seinem Bein war eine 5cm große offene Wunde. Das Fleisch klaffte nur so auseinander, richtig tief, fast wie ein sauberer Schnitt. Ein Stein hatte sein Bein getroffen. Uns war allen klar, das musste genäht werden. Franzi verband die Wunde notdürftig. Einheimische welche stehengeblieben sind zum Schauen sagten, das das Basecamp nur ca 30 Minuten entfernt sei… Da Jacob noch einigermassen laufen konnte und wir auch sonst keine andere Option hatten beschlossen wir weiter zu laufen. Ich nahm Jacobs Rucksack und lief hinter den beiden her. Der Weg wurde nicht besser…. Der Abstand, zu den beiden, vergrößerte sich durch das Gewicht welches ich zu tragen hatte… Ich war mittlerweile schon auf über 4000m und jeder Schritt war mega anstrengend…dazu noch die psychische Belastung keinen falschen Schritt zu machen.
Ich sah die beiden gut 1,5 km vor mir das Basecamp erreichen und mir kam in den Sinn, das ja alle Verbandssachen in Jacobs Rucksack sind, den Rucksack den ich auf den Rücken trug. Ich nahm all meine Kraft zusammen und spurtete mit den zwei Rucksäcken los, so schnell wie ich konnte… Mein Körper funktionierte nur noch… in meinen Kopf pochte immerwieder „du kannst alles schaffen, wenn du nur willst“. Total entkräftet erreichte ich das Basecamp. Meine Beine zitterten. Mein ganzer Körper zitterte… mir war heiß und kalt gleichzeitig.
Im Basecamp war niemand wirklich da der Helfen konnte. Wir überlegten was wir tun konnten. Nähen war wohl die beste Idee. Ich sagte, das ich das übernehmen könne. Nähen konnte ich schon immer gut, hatte immerhin eine eins in Hauswirtschaft bekommen. Da es uns an einer gebogenen Nadel mangelte, entschieden wir doch nur den Verband neu zumachen. Franzi machte also mit (einem echten Hillbilly von) einem Amerikaner den Verband neu. Und es wurde für den nächsten Tag ein Pony organisiert welches Jacob zurück bringen sollte. Sehr viel mehr konnte nicht gemacht werden. Wir beschloßen auf Nathalie und Santa zu warten und Santa zu fragen, wie wir alles am besten organisieren. Doch die beiden kamen und kamen nicht. Mittlerweile wurde es schon dunkel und wir machten uns große Sorgen. Ein anderer Trekker meinte das es unten am Fluss entlang einen Weg gibt aber der sei zu der Zeit sehr sehr gefährlich, und noch dazu kam, das es anfangen hat zu regnen (gerade als wir das Camp erreicht hatten), dadurch würde die Situation nicht besser…. Das war doch der Weg den Santa gehen wollte… oder doch nicht? Santa und Nathalie kamen a dem Abend nicht mehr….
Was für ein Tag…..ich war froh als ich im Bett lag…
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Tag 10: Tilicho Base Camp (4150m) zum Tilicho See (5010m) und zurück nach Shree Kharka (4045m)

[singlepic id=3464 w=320 h=240 float=left]Jacobs Pony war für 7 Uhr bestellt. Recht gut hat sowieso keiner von uns geschlafen. Nach dem Frühstück lief Jacob mit dem Guide einer Spanierin zu dem Pony Mann, der wollte jetzt 170$ für die Strecke weil er eigentlich ganz woanders hinwill. Der Guide konnte allerdings den Besitzer vom Basecamp dazuüberreden, welcher sich gerade auf den Weg nach Manang machte um Waren zu kaufen, Jacob für 2500 Rupees (18,50€) wenigstens bis nach Shree Kharka mitzunehmen. Wenn Nathalie und Santa am Vorabend wirklich wieder zurück gegangen sind, dann könnten sie ja alles weitere organisieren. Also ritt Jacob mit den Pony nach Shree Kharka und Franzi und ich machten uns alleine auf zum Tilicho See.
Der Weg war extrem Anstrengend. Am Anfang trug ich noch den gemeinsamen Rucksack den wir mit Wasser und Regenkleidung vollgepackt hatten. Später war ich nur noch froh, das Franzi ihn genommen hatte (und ihn auch nicht mehr hergeben wollte). Der Aufstieg auf die 5010m ging mit mini Schritten vorwärts… ich hatte absolt keine Kraft mehr in den Beinen und atmete extrem schwer. Die Luft war mittlerweile so dünn, jede Bewegung, jeder Schritt extrem kräfteraubend. Die 850 Höhenmeter die wir aufstiegen zogen sich unwahrscheinlich in die länge… Bevor wir den See erreichten ging es noch ein ganzes Stück gerade und während es beim Aufstieg extrem bewölkt und grau war, wurden wir oben am See mit einem blauen Himmel begrüßt. Auch am See war die Spanierin und ein 79 alter Mann welcher erzählte, das er vor 10 Jahren schon mal hier war und am See gezeltet hatte.[singlepic id=3469 w=320 h=240 float=right] Wir hörten den Gletscher im See knacken und sahen wie eine Schneelawine den Berg runter kam. Nach einer halben Stunde setzte bei mir und Franzi die Symbtome der Höhenkrankheit ein und wir beide bekamen extreme Kopfschmerzen. Grund genug ganz ganz schnell wieder abzusteigen. Als wir das Basecamp wieder erreichten, waren wir nicht sicher, was wir nun machen sollten. Sollten wir noch eine Nach hier bleiben. Wir hatten beide noch sehr starke Kopfschmerzen und trotz Tablette wurde es nicht besser. Oder sollten wir zurück nach Shree Kharka, aber alles sträubte sich in uns, als wir an den Weg zurück dachten (der selbe wie zum Basecamp). Und dann den Weg noch mit Kopfschmerzen machen… Vielleicht nicht die beste Idee.
Wir entschieden uns dann doch dazu zurück zu gehen. Und der Rückweg war garnicht mehr so schlimm. Vielleicht waren wir einfach auch nur so fertig mit der Welt das alles einfach nur passierte. Als es schon dunkel wurde erreichten wir Shree Kharka. Unsere Sachen waren noch da, sonst niemand. Nicht mal eine Nachicht…
Lustig: In den Zimmer wo wir schliefen waren einige Bodenbretter vor Franzis Bett gebrochen. Wenn man da draufgestanden wäre, wäre man ein Stockwerk tiefer gelanden. Franzi hatte Nachts geträumt, das ihr ganzes Bett durch den Boden bricht und ist dann in mein Bett gekommen und ich bin im Schlaf in ihr Bett gegangen. Am nächsten Morgen bin ich total erschrocken, wo ich den auf einmal sei und warum ich im falschen Bett liege. *verwirrend* 🙂 [nggallery id=249]

 

Tag 11: Shree Kharka (4045m) nach Manang (3540m)

[singlepic id=3484 w=320 h=240 float=right]Der Rückweg nach Manang ging eigentlich recht fix auf dem Weg kam mir ein schwer bepackter Porter entgegen der sich neben mich setzte und erstmal über die Israelis Leute die ihn angeheuert hatten schimpfte. Er solle die 40 kg Gepäck bis zum Basecamp tragenund sie wollen keine Sachen in Shree Kharka zurück lassen, immerhin würde er ja auch dafür bezahlt von 3 Leuten den Rucksack zu tragen. Der Arme tat mir echt leid. Aber wie sagt man so schön „Hättest halt was gescheites gelernt“ (nicht ernst nehmen).
Etwas später kam mir auf einen sehr schmalen Pfad bergabwärts ein Pony entgegen und ungefähr 50 Meter vor mir verlor es seine Ladung und ging durch. Es rannte vollgas in meine Richtung und der Besitzer konnte es gerade noch so vor mir bremsen. Was den da los in den letzten Tagen nur noch Action…. Ganz ganz vorrichtig ging ich an dem Pferd vorbei sehr viel Platz war da nämlich nicht… und die ganze Sache hätte auch ganz ganz anders ausgehen können.
In Manang angekommen traf ich auf Jacob der vor unserem Hotel sahs und las. Er erzählte das seine Wunde genäht wurde und wäre er wenige Stunde später angekommen, wäre nähen nicht mehr möglich gewesen. Er erzählte auch, das Santa Höhenangst hatte (ein Porter in den Bergen mit Höhenangst.. haha ok…) und Nathalie mit einen anderen Guide Richtung Tilicho Basecamp geschickt hatte, Nathalie aber dann der Weg auch „zu spannend“ wurde und sie umgedreht ist und in Shree Kharka geblieben ist…. Also Schluss endlich dann doch (fast) alles gut gegangen….[nggallery id=250]

Tag 12: Ausflug zum Annapurna III Gletscher (4200m)

[singlepic id=3496 w=380 h=280 float=right]Da Jacob noch nicht richtig laufen konnte und er sich auch ausruhen sollte, blieben wir noch in Manang. Den ganzen Tag in einem Bergdorf rumsitzen ist nicht das spannendste auf der Welt also beschloßen Nathalie und ich zu „Cave“ zu gehen. Wir liefen zum Nachbarort und hatten dann etwas Mühe den Weg den Berghoch zu finden, und ganz sicher waren wir auch nicht, ob wir nun richtig sind oder doch nicht. Nach 2 Stunden kam dann aber ein Schild welches bestätigte: Wir sind richtig. Der Weg ging immer weiter aufwärts und wollte garnicht mehr enden. Irgendwann erreichten wir dann auf 4000 Höhenmeter „the Cave“, in Anführungszeichen deswegen, weil da garkeine Höhlen waren, bzw keine richtigen, vielmehr eine kleine Ortschaft aus ein paar Hütten.
Aber der Gletscher des Annapurna III lag zum greifen nah. So nah das es für mich nur eins gab.. ich muss da hoch. Nathalie wollte lieber unten warten. Die nächsten 200 Höhenmeter und 1,5 km an Strecke hatten mich meine ganze Energie gekostet. Ich hatte kaum noch was zu trinken, und da oben war es extrem kalt und windig. Immer wenn ich stehen blieb weil ich keine Kraft mehr hatte, fror ich fürchterlich. Also weiterkämpfen fast bis zum Gletscher. Vor dem Gletscher war ein breiter Graben, den man nur schwer überwinden konnte. Ich hätte sowieso keine Kraft mehr dafür gehabt. Die Luft war wieder extrem dünn. Leider zog sich der Annapurna III komplett zu als ich davor war. Also beschloss mich vor den Gletscher zu setzen, etwas zu warten und dem Knacken der Eismassen zuzuhören. Da nach 20 Minuten die Sicht immernoch nicht besser war und ich immer mehr anfing zu frieren (ich sahs im Windschatten hinter einem Felsen) beschloss ich wieder runter zu laufen. Auf den Weg runter wurde (natürlich wie sollts anders sein) die Sicht auf den Gletscher und den Annapurna III wieder frei… Nathalie war mittlerweile auch nicht mehr am Dorf sondern wie sich später rausstellte auch schon zurück gelaufen weil ihr kalt war. Der Abstieg nach Manang ging recht schnell.
Abends spielten wir noch Karten. Santa freute sich immer wie ein Schulkind wenn er gewann, wobei seine Strategien bei dem Spiel etwas fragwürdig waren, und er dadurch nicht sooft gewann. 😀 [nggallery id=251]

Tag 13: Manang (3540m) nach Yak Kharka (4018m)

[singlepic id=3520 w=320 h=240 float=right]Der Weg nach Yak Kharka war recht kurz und nicht wirklich anstrengend. Schon ein ein paar Tage früher haben wir in Manang, in unserem Hotel, zwei Deutsche und eine Schweizerin kennengelernt mit denen wir uns super verstanden hatten, die hatten wir gleich am Ortseingang wiedergetroffen und Jacob, Franzi und ich hatten beschlossen ganz schnell im gleichen Hotel zu buchen, noch bevor Nathalie und Santa das Dorf erreichen, da nach uns eine größere israelische Reisegruppe den Ort besetzte. Irgendwie hatten die sich die letzten Tage in Manang gesammelt und jetzt war der Weg und der Ort überfüllt mit ihnen. Da wir Mittags schon ankamen machte ich einen Mittagsschlaf, den ich schon seit zwei Wochen ganz schrecklich vermisste. Normalerweise sollte man das wegen der Höhe und der Höhenkrankheit nicht machen, da ich aber schon die letzten Tage immer ein ganzes Stück höher war, sollte das nichts machen. Hats auch nicht. 😀 Abends spielten wir Karten. Das Spiel welches wir spielten hatte die Deutsch-Schweizer-Kombo von ihren Guide gelernt also ist es entweder ein nepalesiches Spiel, oder er hats von Touristen…. nobody knows…
Nachts wurde es jetzt schon richtig kalt. Mein -8 Grad Schlafsack hatte ich zwar auf dem ganzen Trek nicht wirklich ausgereizt, trotzdem war ich froh ihn dabei zu haben… auch wenn er viel zu gross und schwer war….[nggallery id=252]

Tag 14: Yak Kharka (4018m) nach Thorung Phedi (4450m)

[singlepic id=3516 w=320 h=240 float=right]Auch tagsüber ist es jetzt kühler, während man am Anfang den ganzen Tag nicht aufs Klo musste, weil man alles wieder raus geschwitzt hatte, ist man jetzt doch öfters mal damit beschäftigt eine Pinkelpause einzulegen. Das Stück welches wir wanderten war wieder nicht lang, vielmehr sollte es dienen, das wir uns an die Höhe gewöhnen.
Auf halber Strecke holten wir die Deutsch-Schweizer-Kombo (bestehend aus Katharina Matthias und der Schweizerin Tatjana) ein, die etwas langsamer an dem Tag unterwegs waren. Wir liefen zusammen weiter und quatschen über alles mögliche. Gegen Mittag erreichten wir Thorung Phedi, welches eigentlich nur aus zwei Lodges bestand.
Nachdem wir Mittag gegessen hatten und etwas Karten spielten machte sich die Höhe bemerkbar. Wir waren alle wie benebelt oder unter Drogen gesetzt und hatten Schwierigkeiten Sätze richtig zu bilden oder auch nur klar zu denken. 😀 Ich bekam dazu noch Herzrasen welches garnicht mehr aufhören wollte…. es zog sich den ganzen Tag hin bis sich der Körper wieder normalisiert…
Abends wurde es nun richtig kalt. Die Lodge hatte zwar ein Ofen, aber angemacht wurde er nicht, dazu sei es noch zu warm…. verständlich, das Feuerholz musste bis hierher hochgetragen werden, da heizt man lieber einmal zu wenig als zu viel…. [nggallery id=253]

Tag 15: Thorung Phedi (4450m) über den Thorung La Pass(5416m) nach Muktinath (3760m)

[singlepic id=3528 w=700 h=440 float=center]Der Thorung La Pass war die Schlüsseletappe auf der ganzen Strecke. Er war die höchste Stelle die wir besteigen mussten und gleichzeitig war der Tag der längste und kräfteraubenste Tag den wir zu bewältigen hatten.
Es ging schon ganz ganz früh los als es noch dunkel war. Ein Blick auf die Uhr verriet, es war um 4 als wir losliefen. Da ich meine Lampe ja schon am ersten Tag verloren hatte leuchtete mein IPod mir den Weg.
Es war nebelig und hatte in der Nacht geschneit….. Der wer über den Pass war eine Tortur. Nathalie ließ ihr Gepäck von einem Porter tragen und trug nur Santas kleinen Rucksack. [singlepic id=3522 w=320 h=240 float=right]Nach 15 Minuten hatte sie so sehr Herzrasen, das sie kaum noch weitergehen konnte. Santa nahm jetzt zusätzlich zu unseren „Gemeinschaft-Rucksack“ noch seinen dazu.
10 Minuten später kam Franzi ins stocken. Ihr ging es nicht gut. Ich nahm ihr Wasser und wir konnten sie überzeugen weiter zu laufen.
Wieder 10 Minuten später bekam Nathalie vom Frühstücks-Omlett Magenprobleme…. und war am Ende mit den Nerven. Da ihr Rucksack mit dem Porter aber schon weiter Richtung Pass unterwegs war, hatte sie keine Wahl, sie musste weiter laufen. Nach einen sehr anstrengenden Anstieg erreichten wir das Highcamp nach 1,5 Stunden. Nathalie hatte sich mittlerweile eine ganze Palette an Magentabletten eingewurfen und es ging ihr wieder etwas besser… Langsam fing es auch in meinen Magen an zu grummeln…. Ich beugte aber den Magenproblemen vor, indem ich einen riesige Schluck Vodka trank (danke an meine Schwester Caroline für diesen Tip! Hat bis jetzt immer geholfen).
Während wir uns langsam immer höher kämpften, ging es Franzi wieder schlechter und schlechter und auch ich hatte immer weniger Kraft in den Beinen. Ich lief nur noch ganz ganz langsam mit winzigen Schritten… Der Abstand zu Jacob (fit wie ein Turnschuh, trotz Wunde), Santa und Nathalie wurde immer größer. Zweimal mussten wir eine längere Pause machen, wir hatten einfach keine Kraft mehr bzw Franzi ging es so schlecht. Irgendwann waren die Anderen dann ausser Sichtweite. Der Aufstieg zog sich unendlich in die Länge… immer wieder überquerten wir einen Hügel und hofften, der Pass sei dahinter….
Irgendwann kam uns Santa entgegen gelaufen und nahm Franzi ihren Rucksack ab. Der Pass war, nach über 5 Stunden aufstieg, kaum mehr als 150 Meter entfernt. Es war ein erlösender Augenblick, den wir nur kurz geniesen konnten. Es war richtig richtig kalt und nach den obligatorischen Fotos ging es relativ schnell wieder bergab. Da Franzi es so schlecht ging, stoppte sie nur für einen Augenblick (und ein Foto) am Pass und lief gleich weiter.[singlepic id=3534 w=320 h=240 float=left]
Der Abstieg zog sich genauso in die länge wie der Aufstieg. Auf der anderen Seite des Passes hatte sich die Landschaft komplett geändert. Hier war alles orange und sah schon fast wüstemäßig aus. Nach 3 Stunden Abstieg machten wir kurz Pause um etwas zu essen. Franzi ging es immernoch total mies und zog es vor statt etwas zu essen zu schlafen. Nach weitern 1,5 Stunden erreichten wir Muktinath und trafen wieder auf Tatjana, Katharina und Matthias, die vor uns gestartet sind. Wir ließen es uns nicht nehmen anzustoßen (mit Bier, hier oben gut teurer!) das wir endlich über den Pass sind. Naja fast alle… für Franzi gab es nur Suppe. 🙂 Zum Glück ging es ihr Abends wieder besser….[nggallery id=254]

 

Tag 16: Muktinath (3760m) nach Kagbeni (2810m)

Nachdem wir morgens die Tempelanlage in Muktinath besucht hatten ging es die kurze Strecke weiter nach Kagbeni, vorbei an Purang, indem angeblich vier Brüder eine Frau geheiratet hatten und dann diesen Ort gegründet haben (bleibt ja in der Familie…), entlang einer Schlucht.[singlepic id=3556 w=320 h=240 float=right] Die Strecke war die ganze Zeit relativ gerade und glich einer Steppe. Kurz vor Kagbeni war der Weg weggebrochen und wir mussten unsere Rücksäcke 4Meter abseilen. Für Santa der Höhenangst hatte ein abenteuerliches Unterfangen. Kaum 5 Minuten später musste ich dann Santa gleich mal retten. Er war einen Abhang runtergelaufen, der ihm dann auf halben weg doch zu steil war und an der Seite ging es ihm auch zuweit runter, also versuchte er den Abhang wieder hochzukommen, allerdings vergeblich. Also kletterte ich einen Nebenweg wieder hoch und zog ihn an meinen Trekkingstock wieder den Abhang hoch. Santa beschloß lieber auf der Serpentienen Straße zu laufen und den Umweg in kauf zu nehmen… alles andere war ihm zuviel action.
Nachdem wir in Kagbeni angekommen waren und unsere Zimmer bezogen hatten (un festgestellt hatten, das wir hier Internet haben … das erste mal), hatten wir uns noch etwas die Stadt angeschaut. Santa zeigte uns voller begeisterung einen Laden und fragte uns:“Fällt euch was an dem Laden auf? Da sitzt niemand davor,….“ – ähm ja ok… und nun? Santa sprühte vor Begeisterung als er uns erzählte, das wenn man in de Laden geht es KLINGELT(!!!) und dann der Besitzer kommt. DER WAHNSINN!!!! 😀 Wir besuchten auch einen buddistischen Tempel und Franzi[singlepic id=3553 w=320 h=240 float=left] ließ hinduistische Armbänder von einem buddistischen Lama segnen… das ungefähr so, wie wenn ein christlicher Priester einen Davidstern segnet. Verrückt! 😀 Da Franzi die Armbänder für ihre Freunde gekauft hatte, und ich jetzt auch ein Freund bin, hab ich auch ein hinduistisches buddistisches Armband bekommen.
Später im Gasthaus, wir hatten gerade Jacobs Speck aus Bayern angeschnitten (Belohnung für den geschafften Pass) und etwas Apfel Cidre getrunken, da hatte uns ein älterer Mann angesprochen. Er kam mir schon von Anfang an bekannt vor, doch ich kam erst drauf, wer er war, nachdem wir etwas gesprochen hatten: und zwar war er der Assistent von Herbert Hoffmann (er war der ältesten Tätowierer in Deutschland). Ich hatte die beiden schon öfters zusammen gesehen auf Tattoo Convention und auch Fotos von den beiden gemacht. Er war zudem auch noch aus Ulm. Lustiger Zufall. Wem man nicht so alles trifft im Himalaya…. [nggallery id=255]

Tag 17: Kagbeni (2810m) zur Apfelstadt Marpha (2665m)

Die Strecke nach Marpha war recht eben und fast ohne Probleme zu bewältigen. Nur ab Jomsom wurde es extrem windig. Der Wind wirbelte den trockenen, sandigen Boden auf, so das es teilweise echt schwer war etwas zu sehen oder auch nur zu atmen. Marpha, die Apfelstadt im Himalaya war zum Glück hinter einen Felsvorsprung gebaut und angenehm windstill. Allgemein war Marpha angenehm sauber, es hatte hier eine Kanalisation und die Straße durch die Stadt war zu schmal für Autos. Nur die sporadisch verteilten Tretminen die Kühe so innerhalb eines Tages so verteilen, schmückten ab und an den Weg….
Ach ja um zurück zu kommen zu Apfelstadt. Rund um Marpha wachsen tausende Apfelbäume und daher gibts in Marpha nichts was es nicht gibt mit Äpfeln. Angefangen von Apfelkuchen über Apfel Pancake, Apfel Cidre und sogar Apfel Brandy. Ah Brandy ein gutes Stichwort. Nachdem wir das Kloster in der Stadt besucht hatten, suchte wir die Apfelbrennerei auf, die leider geschlossen hatte. Somit mussten wir uns mit dem Fabrikkauf begnügen. Ich gönnte mir eine kleine Flasche mit dem Brandy und nahm noch im Laden einen tiefen tiefen schluck. Mein Gesicht verzog sich. Ok, Brandy brennt wirklich! Auf der Flasche stand 16% Alkohol oder mehr. Da (!) war definitiv mehr als 16% drin. Jacob, Nathalie und Santa probierten auch noch… nur Franzi nicht, den die ist im Kloster geblieben und hat da mit Abend gegessen. Abends hatten wir zum Abendbrot noch die restliche Flasche gelehrt, mit Apfelsaft, de gabs nämlich hier auch.[nggallery id=256]

Tag 18: Marpha (2665m) nach Ghasa (2010m)

[singlepic id=3573 w=320 h=240 float=right]Wir entschieden uns kurz nach Marpha den Weg nicht entlang der Straße sondern durch den Wald und entlang eines schmalen Pfades zu nehmen, das war auf jedenfall die bessere und schönere Route. Nach einer Weile kamen wir wieder an eine Abzweigung. Santa empfohl über de Fluss und lieber entlang der Straße zu gehen. Wir stimmten ab und Franzi, Jacob und ich gingen weiter entlang des kleinen Pfades. Nathalie und Santa entlang der Straße. Was anfangs noch die schönere Route war wurde langsam mehr und mehr zum mega anstrengenden Umweg. Während die Strae ganz gemütlich gerade verlief, stieg der Pfad sicher 400-500 Höhenmeter an. Wir quälten uns den Berg hoch und wieder runter und suchten nach einer Möglichkeit den Fluss zu überqueren um auch auf die Straße zu kommen. Wir stoßen auf eine halbfertige Brücke, die zwischen drin noch nicht ganz fertig war. Auch die Planken auf den wir von Pfosten zu Pfosten liefen waren nur lose aufgelegt und nicht befestigt. Anfangs ging es nur über ds trockene Flussbett doch als wir so auch den Fluss überquerten mussten, war uns schon etwas mulmig zu mute. Aber wir haben alles überlebt und schleppten uns dann weiter der Straße entlang. Die Motivation war an de Tag am auf einem Tiefpunkt. Trotzdem liefen wir noch Stunden bis nach Gasha. An dem Tag war es seit seit langen wieder mal bewölkt und wir verpassten leider den Annapurna I. 🙁 [nggallery id=257]

Tag 19: Ghasa (2010m) nach Tatopani (1190m)

[singlepic id=3591 w=300 h=220 float=right]Die Strecke von Ghasa nach Tatopani führe durch das tiefste Tal der Welt, das Kali Gandaki Tal. Links und Rechts vom Tal liegen die zwei 8000er Annapurna und Dhaulagiri. Von unten war das Tal allerdings nicht so super beeindruckend, als es vielleicht von oben wäre. Die Straße auf der wir liefen ging relativ gerade und ab und an bergab und führte an einen beeindruckenden Wasserfall vorbei. Gegen Nachmittag erreichten wir Tatopani welches für die heißen Quellen in Nepal ziemlich bekannt ist. Während die anderen drei die heißen Quellen anschauten und sich die Füsse verbrannten hielt ich meinen, schon lange verdienten, Mittagsschlaf. Vor lauter laufen war in den letzten Wochen fast nie Zeit dafür….. 🙁 [nggallery id=258]

Tag 20: Tatopani (1190m) nach Sikha (1980m) +
Tag 21: Sikha (1980m) nach Ghorepani (2860m)

Eigentlich konnte man Tag 20 und 21 auch an einem Tag bewältigen, allerdings teilten wir es auf, da der Ansteig sonst zu krass wäre (fast 1700 Höhenmeter). Nachdem es die letzten Tage nur bergab ging hatten wir in den folgenden zwei Tagen wieder einige Meter zum Aufsteigen. Grund bzw Ziel war der Poonhill in Ghorepani. Und nochetwas bestätigte uns in der Entscheidung die Strecke auf zwei Tage aufzuteilen. An beiden Tagen fing es kurz nachdem wir das Ziel erreicht hatten an zu Regnen. Wir beide Abende damit Karten zu Spielen. In Ghorepani gingen wir schon recht früh schlafen. Da wir am nächsten morgen im Dunkeln aufstehen mussten um den Poon Hill zu besteigen….[nggallery id=259] [nggallery id=260]

Tag 22: Ghorepani (2860m) übern Poon Hill (3216m) nach Birethanti (1050m)

[singlepic id=3612 w=320 h=240 float=right]Der vorletzte Tag begann echt lustig. Eigentlich war ja ausgemacht recht früh aufzustehen, da es aber die ganze Nacht regnete wie Sau und auch noch donnerte und blitzte, wusste keiner so recht bescheit was nun ist. Und auch Santa kam nicht um uns zu wecken. Ich war trotzdem Pünktlich um halb vier in meinen Trekking Klamotten. Franzi wollte garnicht erst aufstehen und somit schaute ich erstmal zu Jacob was er meinte. Er wusste auch nicht so recht ob wir gehen sollen oder nicht und schickte mich zu Santa… Santa ganz verschlafen schaute aus dem Fenster und meinte „alles wolkig, wir laufen später“.
Nach einer halben Stunde klopfte es an Franzis und meiner Tür und Santa stand startbereit da. „Wolken weg“ – hastig zogen wir uns wieder an und wenige Minuten später marschierten wir im strammen Tempo den Poon Hill hoch. Der Poon Hill hat 3216m. Eigentlich ist es fast ein Spott auf die Berge in den Alpen wenn die Nepalesen einen 3216m hohen Berg nur Hügel nennen. Whatever. Wir erreichten die Spitze des Hügels pünktlich mit dem Sonnenaufgang und wir hatten eine herrliche Sicht auf alle Berge im Annapurna Area.
Nachdem wir wirder abgestiegen sind und gefrühstückt haben begann der, teilweise extrem steile, Abstieg nach Birethani. die 1800 Höhenmeter abwärts gingen mega in die Beine und die Strecke zog sich ewig. Gefühlt war die Strecke fast schwieriger und anstrengender als 1000 Höhenmeter aufzusteigen….Gegen Nachmittag erreichten wir dann Birethani… und irgendwie konnten wir es kaum fassen… am nächsten Tag soll alles schon vorbei sein…. [nggallery id=261]

Tag 23: von Birethanti (1050m) zurück nach Pokhara

[singlepic id=3633 w=320 h=240 float=right]Der letzte Tag vom Trek. Nach dem Aufstehen und Frühstück ging es nur 2-3km bis zur Bushalte Station, an der der Bus nach Pokhara ging. Wir entschieden uns aber dann doch mit dem Taxi zurück nach Pokhara zu fahren. Und erreichten nach einer Stunde Hoppelstraße endlich wieder die Zivilisation….
Die nächsten Tage passierte nicht viel… hauptsächlich rumgammeln und vom Trek ausruhen. Und froh drüber sein, das das Essen besser ist und die Auswahl größer. Und zur feier, das wir den Trek geschafft haben, haben wir noch unser selber gepflücktes Marihana geraucht. In Pokhara war ich auch noch beim Barbier und hatte mir meinen Bart stutzen lassen… Da er kaum Englisch konnte hatte er dann volles Programm gemacht mit Gesichtsreinigung und Kopfmassage… 😀 Am Tag drauf besichtigten Jacob, Nathalie und ich das Bergsteiger Museum, indem witzigerweise die Menschen aus den Alpen mit denen aus Nepal verglichen wurden und zwar immer mit zwei identischen Fotomotiven. Foto rechts Alpen, Foto links Nepal. Allerdings waren die Fotos von den Alpen 60-70 Jahre alt und die von Nepal aktuell. Zeigten aber eins zu eins den identischen Tagesablauf…[nggallery id=262]


Fazit: Eigentlich hatte ich ja schon etwas Angst, verschiedene Foren und Berichte sagten, das es im September nicht wirklich gut sei im Annapurna Gebiet zu trekken…. Also im nachhinein bereuhe ich nichts. Gut wir haben den Manaslu verpasst, da es zu wolkig war, aber wir hatten fast immer supergutes Wetter. Da wir oft die einzigsten Trekker waren (vor allem am Anfang) konnten wir umsonst oder für lau in den Lodges schlafen. Apropo einzigsten Trekker… es ist mega angenehm ohne zig andere Touris zu reisen und das ist das was ich mag. Von der Ausrüstung her hab ich viel zu viel mitgenommen. 3-4 Kleider Sets hätten gereicht. Auch ein dünner Schlafsack hätte gereicht, da man Decken überall bekommt. Und von der Kamera, da braucht man keine 3 Objektive. Ein (Reise-)Zoom und das Ultraweitwinkel reichen.
Vom Wetter her war es auch gut, wenn es mal Wolkig war, bzw wenn man Berge sehen wollte musste man halt etwas früher aufstehen. Morgens war es fast immer klar. Nachmittags zauberten die Wolkenformationen wunderschöne Bilder. Alles in allem hab ich alles richtig gemacht und eins weiß ich…. das war mit Sicherheit nicht der letzte Trek… nächste mal allerdings ohne Porter und mit 12 kg kampfgewicht…..