Lenin und Carlo -[by „Öffis“ since 2010km]-
Von Minsk aus fuhren wir mit dem Nachtzug nach Moskau…
Der Aufbau der Waggons und der Abteile des Nachtzuges war genauso wie der der Transmongolischen Eisenbahn.
Wir hatten also schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf diese.
Als wir in Moskau ankamen war alles grau und es regnete. Schnell fanden wir eine Wechselstube/Apotheke und tauschten unsere ersten Euro in Rubel. Die weißrussischen Rubel wollten sie nicht haben. Unser Hostel war schnell gefunden und nach kleineren Verständigungsproblemen konnten wir unser Zimmer beziehen. Da wir im Zug nicht ganz so tief schliefen und immer wieder aufwachten, holten wir ersteinmal etwas Schlaf nach bevor wir uns die Stadt anschauten. Unser erstes Ziel war der Rote Platz und der Kreml. Überall blitze es vor goldenen Kuppeln und Zwiebeldächern. So hätte ich mir Moskau nicht vorgestellt. Was einem in Film und Fernsehen suggeriert wird, war eher grau und dreckig… Dazu Russen in Jogginghosen.
In Wahrheit gibt es überall in der Stadt kleine Straßen die zum Flanieren einladen mit unzähligen kleinen Cafés (und mindestens genausovielen Apotheken). Die Stadt strahlt vor Glanz und tollen Gebäuden. Hinter jeder Ecke gibt es etwas Neues zu sehen und zu erkunden. Meiner Meinung nach sollte jeder mal in Moskau gewesen sein und sein eigenes Bild von der Stadt gemacht haben.

Nach unserer ersten Stadtbesichtigung kehrten wir schlapp in unser Hostel, welches sich voll und ganz Juri Gagarin, dem ersten Kosmonaten im Weltall, gewidmet hatte, zurück. Ich legte mich ins Bett und nickte sofort ein. Nach einer Weile wachte ich durch Donnerschläge und dem Regen draußen wieder auf. Es gab Blitze im Sekundentakt und auch der Wetterbericht für die nächsten Tage klang eher wie ein Trauergang.
Doch zwei Dingen sollte man nie trauen, dem Versicherungsvertreter von nebenan und dem Wetterbericht.
Nach einer Stunde war das Unwetter vorrüber und wir schauten uns die Stadt nochmal im Dunklen und ohne Menschenmassen an. Am nächsten Tag besuchten wir das Nowodewitschi-Kloster, welches neben dem Roten Platz, dem Kreml und der Kolomenskoje, welcher wir am Tag darauf einen Besuch abstatteten, auch auf der Unesco Weltkulturerbe-Liste stand. Zwar ist Moskau echt groß aber viele Strecken kann man auch gut zu Fuss zurücklegen. Und so liefen wir von A nach B und wieder zurück und dann doch wieder zu A und die 4 Tage in Moskau vergingen wie im Flug.
Am letzten Morgen wachte ich panisch auf… Vor lauter Sightseeing haben wir vergessen den Kreml von Innen anzuschauen, eigentlich das Moskau Highlight.
Als wir aber Nachmittags die abnormal lange Schlange (vor allem Chinesen) vor der Kasse sahen, und es auch noch anfing zu regnen, war die Entscheidung sehr schnell gefällt: Moskau hat uns auch so mega gefallen, da ist es nicht wirklich schlimm den Kreml verpasst zu haben…

Skurril: An unserem zweiten Tag, im Hostel, ist eine alte Babuschka (russ. für Oma) mit Goldzähnen neben uns eingezogen, welche uns unentwegt in russisch irgendwelche Geschichten erzählte. Sie besuchte uns auch öfters mal ungefragt in unserem Zimmer und wurf uns ein freundliches „Schalom“ entgegen.
Am Abend fragte sie uns (wahrscheinlich) ob sie etwas von unserm Abendessen ab haben könne. Wir boten ihr etwas an… vielleicht ein Fehler: Den anscheinend schmeckte der Frischkäse ihr etwas zu gut. Als wir nächsten Abend den Käse aus dem Kühlschrank holten war er nämlich leer.